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Herausforderung Klimawandel

1990 haben die Staaten erstmals anerkannt, dass der Treibhauseffekt vom Menschen verursacht wird und dass dieser negative Folgen hat. Damals legten die Vereinten Nationen den ersten Bericht des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaveränderungen (IPCC) vor, der über die physikalischen Grundlagen des Klimawandels berichtet. In Industrienationen verursacht der Stromsektor den größten Ausstoß an Treibhausgasen, insbesondere von CO2. Damit spielt dieser Bereich eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Mit der Klimarahmenkonvention von 1992 und dem Kyoto-Protokoll von 1997 haben die Staaten auf politischer Ebene erste wichtige Vereinbarungen getroffen, um die Treibhausgase zu verringern. Das Aushandeln weiterer Vereinbarungen gestaltet sich aber schwierig. Deutschland sieht sich dabei in einer Vorreiterrolle. Fazit: Um dem Klimawandel zu begegnen, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent sinken.

Seit Beginn der Industrialisierung vor etwa 150 Jahren steigt der Anteil der so genannten Treibhausgase in unserer Atmosphäre immer weiter an. Zu den Treibhausgasen im Sinne des Kyoto-Protokolls gehören Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid („Lachgas“ N2O), Schwefelhexafluorid (SF6) und die Gruppen der teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffe sowie der perfluorierten Kohlenwasserstoffe (Kyoto-Protokoll 1997). Diese Gase, die ursprünglich etwa drei Promille der Masse in der Atmosphäre ausmachten, begrenzen die Wärmerückstrahlung der Erdoberfläche. Dadurch herrscht auf der Erdoberfläche natürlicherweise eine durchschnittliche Temperatur von 15°C. Stark vereinfacht führt der massive Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre dazu, dass sich der Treibhauseffekt verstärkt und die Erdoberfläche damit erwärmt. Zu den Folgen zählen unter anderem: ein Anstieg der Meeresspiegel, Veränderungen der Niederschlags- und Verdunstungsverhältnisse mit Konsequenzen für die Nahrungsmittelproduktion und die Artenvielfalt, die wahrscheinliche Ausbreitung von Tropenkrankheiten und die Zunahme extremer Wetterverhältnisse.

Annex I Staaten sind 41 Industrie- und Schwellenländer, die die Verpflichtung übernommen haben, ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Sie sind im Anhang I (Annex I) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) aufgeführt.

In ihrer Wirkung auf den Treibhauseffekt unterscheiden sich die einzelnen Stoffe beziehungsweise Stoffgruppen sehr. Im Vergleich zu Kohlendioxid ist Methan um den Faktor 21 und Lachgas um den Faktor 310 klimawirksamer. Die höchste Klimawirksamkeit haben die fluorierten Verbindungen. Ihr globales Erwärmungspotential ist 1300- bis 9300-mal wirksamer als das von CO2. Deswegen haben die Experten diese Verbindungen in das Kyoto-Protokoll aufgenommen. Die Treibhausgasemissionen werden meist als CO2-Äquivalente ausgedrückt. Bei der Umrechnung werden die nicht-CO2-Gase gemäß ihrer Klimawirksamkeit gewichtet. Bei den emittierten Mengen hat CO2 mit Abstand den größten Anteil (siehe Abbildung 08). 1990 betrug der CO2-Anteil der gesamten emittierten Treibhausgase der Industrie- und Schwellenländer (so genannte Annex I Staaten) 79,9 Prozent und im Jahr 2008 lag der Anteil bei 82,4 Prozent, jeweils ausgedrückt in CO2-Äquivalenten .

s. Bild 08: Treibhausgasemissionen der Annex I Staaten nach Einzelgasen für das Jahr 1990 und 2008 (Daten: UNFCCC 2010)

Sonstige Treibhausgase sind gemäß Kyoto-Protokoll: Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe, Perfluorierte Kohlenwasserstoffe und Schwefelhexafluorid.

Mehrere Gründe sorgen dafür, dass die Treibhausgase in der Atmosphäre ansteigen. So entweicht das meiste CO2 bei der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas, um beispielsweise Strom zu erzeugen. Bei den Industrie- und Schwellenländern (Annex I Staaten) resultieren rund 83 Prozent der Treibhausgasemissionen aus diesem Energiesektor. Die übrigen 17 Prozent der Treibhausgasemissionen ergeben sich aus industriellen Prozessen (beispielsweise fluorierte Verbindungen), der Landwirtschaft (zum Beispiel Methan durch Rinderzucht und Reisanbau, Lachgas durch Düngung) und der Abfallwirtschaft (zum Beispiel Methan aus Deponien). Insgesamt haben die so genannten Annex I Staaten einen Anteil von 46 Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen (Stand 2004).

Die weltweiten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel, die daraus folgenden Konsequenzen, Gegen- und Anpassungsstrategien und vieles mehr werden in den Sachstandsberichten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung (IPCC – Intergovermental Panel on Climate Change) zusammengestellt und veröffentlicht. Wissenschaftler aus aller Welt schreiben diese Sachstandsberichte, die den Anspruch haben, den weltweiten wissenschaftlichen Konsens widerzuspiegeln. Die Berichte, von denen der erste 1990 und der derzeit aktuelle vierte 2007 erschien, dienen gleichzeitig als wissenschaftliche Grundlage für Verhandlungen auf politischer Ebene.

Aufgrund der Erkenntnisse des IPCC haben die Vereinten Nationen die Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro einberufen. Die teilnehmenden Staaten haben ein Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on Climate Change – UNFCCC) angenommen. Auf diesem Übereinkommen basieren die internationalen Forschungs- und Verhandlungsprozesse sowie die jährlich tagenden Vertragsstaatenkonferenzen. Im Anhang I dieses Übereinkommens werden insgesamt 41 Industrie- und Schwellenländer aufgeführt, das sind die so genannten Annex I Staaten. Als größte Emittenten sollen sie darauf verpflichtet werden, ihren Treibhausgasausstoß zu senken. Alle übrigen Unterzeichnerstaaten werden als non-Annex I Staaten bezeichnet.

Deutschland will die Emissionen um 40 Prozent senken.

Ein wesentliches Ergebnis ist das Protokoll von Kyoto, das 1997 im Rahmen der 3. Vertragsstaatenkonferenz angenommen wurde. Es macht erstmals verbindliche quantitative Vorgaben, um die Treibhausgasemissionen zu senken. So sollen sich die Emissionen im weltweiten Durchschnitt von 2008 bis 2012 um 5,2 Prozent verringern – bezogen auf das Basisjahr 1990. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die einzelnen Staaten in unterschiedlichem Maße dazu beitragen. Der Gedanke dahinter: Die Staaten haben eine gemeinsame Verantwortung für das Klima, tragen aber unterschiedlich zum Klimawandel bei. Deutschland bemüht sich dabei um eine Vorreiterrolle und strebt an, seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken.

Die Unterzeichnernationen des Kyoto-Protokolls berichten regelmäßig, welche Erfolge sie diesbezüglich erzielt haben. Um die Zahlen vergleichen zu können, gibt es genaue Berechnungsvorschriften. Alle Daten werden beim Sekretariat der Klimarahmenkonvention (www.unfccc.int) zusammengeführt und veröffentlicht.

Die nachfolgende Tabelle (Abbildung 09) zeigt die bisherigen Treibhausgasemissionen einzelner Nationen. Für die Annex I Länder werden den Emissionen überwiegend aus dem Basisjahr 1990 die Emissionen der Folgejahre gegenüber gestellt, dabei werden auch die Zahlen aus dem Basisjahr jedes Jahr neu berechnet und präzisiert. Die Zahlen umfassen die sechs definierten Treibhausgase und sind jeweils als CO2-Äquivalente ausgedrückt. Sie schließen hier die Emissionen aus Landwirtschaft, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Abkürzung LULUCF) aus. Auch über die sogenannten Non-Annex I Länder wird berichtet. Bei diesen Ländern ist allerdings häufig die Datenlage nicht sehr ausführlich.

s. Bild 09: Treibhausgasemissionen als CO2-Äquivalente einzelner Industrienationen und Schwellenländer (Annex I) und Non-Annex I Länder, Europäische Union (Zahlen für die 15 bis 1995 beigetretenen Mitgliedsländer), Angaben ohne Landnutzung (excluding emissions/removals from LULUCF) (Daten: UNFCCC 2005 und 2010)

Zwischen 1990 und 2008 sind die Treibhausgasemissionen aller Nationen des Annex I um 5,1 Prozent gesunken (ohne LULUCF). Dabei entfällt auf die so genannten Schwellenländer des Annex I ein Abfall der Treibhausgase um 35 Prozent. Die Industrienationen des Annex I haben dagegen ihre Treibhausgasemissionen um acht Prozent gesteigert. Dass die Treibhausgasemissionen der Schwellenländer so rapide gesunken sind, liegt im Wesentlichen am Zusammenbruch der osteuropäischen Industrien nach 1990. Seit 2000 steigen die Emissionen auch in diesen Ländern wieder an. Die Ergebnisse zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um den Klimawandel zu stoppen.

Es müssen deutliche Erfolge her.

Die Vereinten Nationen haben 2007 bei der Weltklimakonferenz in Bali darauf verwiesen, dass die globale Temperatur höchstens um zwei Grad Celsius steigen darf. Dazu müssen die weltweiten Emissionen an Treibhausgasen bis 2050 um mindestens 50 Prozent abnehmen. Da die Treibhausgase zudem teilweise Tausende von Jahren in der Atmosphäre verbleiben, muss schnell gehandelt werden. 

Klimaexperten im Öko-Institut fordern deshalb ehrgeizige Reduktionsziele und deutliche Erfolge. Auch Schwellen- und fortgeschrittene Entwicklungsländer müssen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Vor allem aber sind nach Ansicht des Öko-Instituts die Industrienationen in der Pflicht. Wichtige nächste Etappe: die Verhandlungen über die Nach-Kyoto-Verpflichtungsperiode ab 2013 zu einem Abschluss bringen. Konkrete Verpflichtungen zu vereinbaren, gestaltet sich aber schwierig. Auf der Weltklimakonferenz 2010 in Cancún in Mexiko wurden auf diesem Weg erste Fortschritte erzielt. Allerdings reichen die vorliegenden Verpflichtungen noch nicht aus, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen.

 

Literatur:

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung, September 2010, über www.bmwi.de oder www.bmu.de

Protokoll von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen. 1997, deutsche Fassung über www.bmu.de.

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): 4th Assessment Report (AR4). 2007, www.ipcc.ch (hier finden sich auch deutsche Kurzfassungen).

United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), www.unfccc.int, GHG Data - UNFCCC, Stand Februar 2010.

United Nations: Sixth compilation and synthesis of initial national communications from Parties not included Annex I to the Convention – Inventories of anthropogenic emissions by sources and removals by sinks of greenhouse gases. Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), November 2005, www.unfccc.int, Stand Februar 2011.

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