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Ungelöste Entsorgung

Weltweit ist die endgültige Entsorgung insbesondere der hochradioaktiven Abfälle und abgebrannten Brennelemente nicht vollständig gelöst. Die geplante Endlagerung in tiefen geologischen Formationen zeigt nur in wenigen Staaten nennenswerte Fortschritte. Dies liegt vor allem an politischen Entscheidungen sowie an gesellschaftlichem Widerstand. Falls es zu einem weltweiten Ausbau der Kernenergie käme, würden viele Staaten die hochradioaktiven Abfälle aus finanziellen Gründen langfristig zwischenlagern statt für eine baldige Endlagerung zu sorgen. Dies birgt jedoch erhebliche Risiken, da der Kernbrennstoff nicht sicher vor Zugriffen und Störfällen geschützt ist. Außerdem wird das Problem der endgültigen Entsorgung zukünftigen Generationen aufgebürdet. Fazit: Ein weltweiter Ausbau der Kernenergie ist angesichts der bestehenden Probleme der Abfallentsorgung nicht zu verantworten.

s. Bild 15: Entsorgungsanlagen in Deutschland (ohne dezentrale Brennelementzwischenlager an den Kernkraftwerks-Standorten)

Selbst Staaten mit einem größeren Kernenergieprogramm haben vielfach noch keine endgültige Lösung gefunden, wie sie die abgebrannten Brennelemente und hochradioaktiven Abfälle aus ihren Kernkraftwerken entsorgen:

Lediglich Finnland verfügt über einen festgelegten Endlagerstandort für diese Abfälle, der ohne nennenswerte gesellschaftliche oder politische Verwerfungen die erste Genehmigungsstufe passiert hat. Das schwedische Untersuchungsprogramm ist ebenfalls weit fortgeschritten, im Juni 2009 hat der Betreiber einen Endlagerstandort vorgeschlagen.

Einzelne Länder haben ihre Endlagerprogramme nach verschiedenen Rückschlägen und Verzögerungen in der Vergangenheit wieder in Schwung gebracht, indem sie das Verfahren neu ausgerichtet haben:

  • Frankreich hat 1991 mit einem Gesetz Meilensteine für die Entsorgungsplanung festgelegt. Im Jahr 2006 hat der Gesetzgeber diesen Fahrplan konkretisiert und für die Endlagerung fortgeschrieben.
  • Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren ein neues Standortauswahlverfahren entwickelt, das seit April 2008 verbindlich festgelegt ist. Derzeit setzen die zuständigen Organisationen das Verfahren schrittweise um.

In beiden Ländern sehen die derzeitigen Bemühungen, einen Endlagerstandort zu finden, erfolgversprechend aus. Sie erfordern aber noch verschiedene naturwissenschaftlich-technische Nachweise sowie politische und gesellschaftliche Diskussionen.

In den USA wurde der Antrag auf Errichtung eines Endlagers am Standort Yucca Mountain, der 2001 vom Kongress festgelegt worden war, wegen Zweifeln an der Eignung des Standortes im Frühjahr 2010 zurückgezogen. Der amerikanische Präsident hat nachfolgend die sogenannte „Blue Ribbon Commission on America’s Nuclear Future“ eingerichtet, die innerhalb von zwei Jahren unter anderem Empfehlungen für die Endlagerung erarbeiten soll.

In Deutschland ist die Diskussion um ein Endlager festgefahren.

Eine Vielzahl von Staaten mit erheblichen Mengen hochradioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente haben noch gar nichts unternommen, um das gefährliche Material zu entsorgen:

  • Die Niederlande setzen beispielsweise auf die langfristige Zwischenlagerung für etwa 100 Jahre.
  • Spanien konzentriert sich derzeit darauf, einen geeigneten Standort für ein zentrales Zwischenlager für die abgebrannten Brennelemente zu finden. Was langfristig mit diesen Abfälle passieren soll, ist noch völlig offen.
  • Japan hat nach Angaben der Regierung im Jahr 2002 ein mehrstufiges Auswahlverfahren begonnen, um zwischen 2023 und 2027 den Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle festzulegen. Dabei werden im ersten Schritt, interessierte Gemeinden aufgerufen, sich freiwillig zu melden. Dieser Schritt sollte nach dem ursprünglichen Zeitplan noch vor 2010 abgeschlossen werden. Im Jahr 2007 hatte Toyo Town sich freiwillig gemeldet, hat aber dieses Angebot nur wenige Monate später wieder zurückgezogen. Bisher zeichnen sich im ersten Schritt keine weiteren Fortschritte ab.
  • Russland plant grundlegende Untersuchungen, wie sich die abgebrannten Brennelemente in einem Endlager entsorgen lassen. Auch für die Endlagerung der hochradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung bestehen nur allgemeine Planungen, entsprechende Umsetzungsschritte sind nicht erkennbar.

In Deutschland ist die Diskussion um ein Endlager festgefahren.

Die Diskussion über die Endlagerung der hochradioaktiven Abfälle in Deutschland ist seit Jahren festgefahren. Der Standort Gorleben bleibt gesellschaftlich und politisch äußerst umstritten. Zwischen den wesentlichen Akteuren auf Seiten der Politik, der Industrie und der Gesellschaft gibt es bislang kein Einvernehmen darüber, wie ein Standort festgelegt werden soll.

Verschiedene Länder, insbesondere Staaten, die nur ein oder wenige Kernkraftwerke betreiben, setzen – auch aus finanziellen Gründen – auf ein internationales Endlager, das radioaktive Abfälle aus verschiedenen Ländern aufnehmen soll. Aus nachfolgenden Gründen ist allerdings nicht zu erwarten, dass eine solche Lösung in absehbarer Zeit zu einer sicheren Entsorgung der radioaktiven Abfälle führt:

  • In praktisch allen Ländern besteht ein erheblicher gesellschaftlicher Widerstand gegen ein Endlager, der die Standortauswahl erheblich einschränkt.
  • In vielen Ländern ist die Einfuhr von radioaktiven Abfällen aus dem Ausland gesetzlich ausgeschlossen. In Anbetracht der Schwierigkeiten, die bereits bei der Entsorgung der jeweils national anfallenden radioaktiven Abfälle auftreten, wird sich daran kaum etwas ändern.
  • Außerdem bestehen keinerlei Grundlagen, wie sich eine grenzüberschreitende Suche nach einem geeigneten Standort gestalten könnte.

Es ist allerdings denkbar, dass einzelne Staaten die Endlagerung letztendlich als lukratives Geschäft verfolgen. Sie könnten die hochradioaktiven Abfälle unter nicht kontrollierbaren Bedingungen zu Dumping-Kosten in unsicheren Anlagen beseitigen.

Die bisherigen Erfahrungen lassen erwarten, dass der weltweite Ausbau der Kernenergienutzung dazu führen würde, dass zukünftig nicht nur in 30, sondern in 40 oder 50 Ländern radioaktive Abfälle in mehr oder weniger geeigneten Übergangslösungen langfristig aufbewahrt werden.

Die Motivation, den Aufwand und die hohen Kosten für eine eigene, verantwortungsbewusste Endlagerlösung zu tragen, wird dabei eher abnehmen als steigen. Denn im Falle eines weltweiten Ausbaus würden viele Staaten nur einzelne Kernkraftwerke betreiben.

Zwischenlager stellen ein permanentes Sicherheitsrisiko dar.

Jede Art von Zwischenlager benötigt jedoch eine permanente Überwachung sowie eine regelmäßige Inspektion und Wartung. Sie verursacht somit kontinuierlich Kosten, setzt technisches Know-how voraus und erfordert letztendlich eine endgültige Entsorgung, die zukünftigen Generationen aufgebürdet wird.

Wenn die Abfälle bei einer oberflächennahen Lagerung permanent zugänglich sind, stellen sie somit in mehrfacher Hinsicht ein Sicherheitsrisiko dar:

  • Störfälle, bei denen Radioaktivität entweicht, lassen sich nicht vollständig ausschließen.
  • Zwischenlager stellen potentielle Ziele für terroristische oder kriegerische Angriffe dar.
  • Für eine permanente Überwachung benötigt ein Staat entsprechend stabile gesellschaftliche und politische Strukturen.
  • Im Vergleich zur Endlagerung in geologischen Formationen bleiben die Kernbrennstoffe bei der Zwischenlagerung zugänglich. Somit lässt sich nicht völlig ausschließen, dass waffenfähiges Material aus den Kernbrennstoffen abgezweigt wird.

Falls es zu einem weltweiten Ausbau der Kernenergie käme, würde mit der Abfallmenge und der Verteilung dieser Abfälle auf eine wachsende Zahl von Staaten auch das Sicherheitsrisiko in der Entsorgung wachsen.

 

Literatur:

Öko-Institut e.V./GRS mbH: Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in Deutschland. – Hauptband und 22 Anhänge, Braunschweig/Darmstadt September 2008, http://endlagerung.oeko.info, insbesondere zu Entsorgungsstrategien: endlagerung.oeko.info/dokumente/Anhang_Entsorgungsstrategien.pdf

Department of Energy (US-DOE): Press Release: Secretary Chu Announces Blue Ribbon Commission on America's Nuclear Future, 29. Januar 2010 www.energy.gov/news/8584.htm

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