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Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke

Im Oktober 2010 hat der Bundestag mit einer Novelle des Atomgesetzes Laufzeitverlängerungen für die deutschen Kernkraftwerke beschlossen. Danach dürfen alle 17 noch in Betrieb befindlichen deutschen Reaktoren zusätzliche große Mengen an Strom erzeugen. Gegen diese mit der Unterschrift des Bundespräsidenten im Dezember 2010 geltende Gesetzeslage haben sowohl einige Bundesländer als auch mehr als 200 Bundestagsabgeordnete im Februar 2011 Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Seit den dramatischen Ereignissen im Reaktorkomplex Fukushima in Japan im März 2011 wird in Deutschland erneut die politische Option diskutiert, auf die Kernkraft zu verzichten. Für die sieben ältesten Kernkraftwerke (Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1) hat die Bundesregierung am 14. März 2011 in einem Moratorium eine vorübergehende, dreimonatige Außerbetriebnahme beschlossen. Der Ausgang der gesellschaftlichen Debatte ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Es besteht damit jedoch heute Unsicherheit darüber, wie das Atomgesetz und der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland tatsächlich gestaltet werden. Politische Entscheidungen sind im Verlauf des Jahres 2011 zu erwarten.

Bis dahin gilt formal das von der Bundesregierung im Herbst 2010 beschlossene neue Atomgesetz. Dieses soll im nachfolgenden Kapitel noch einmal zusammenfassend dargestellt werden. Die Atomgesetz-Novelle 2010 legt fest, dass die deutschen Kernkraftwerke eine zusätzliche Strommenge von insgesamt 1.804 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) produzieren dürfen. Damit erhöht sich die Reststrommenge, die ab dem 1. Januar 2011 noch verfügbar ist, von rund 981TWh nach altem Atomgesetz auf insgesamt 2.785 TWh. Das ist mehr als im bisherigen Atomgesetz als Reststrommenge ab dem Stichtag 01.01.2000 vereinbart wurde (2.623 TWh). Mit Beginn des Jahres 2011 stehen wir also vor einer größeren noch zu produzierenden Strommenge, als mit Beginn des Jahres 2000. Vergleicht man die historische Stromproduktion aus westdeutschen Kernkraftwerken seit 1969 bis Ende 2010 (4.313 TWh) mit der gesamten (historischen wie zukünftigen) Stromproduktion (7.098 TWh), so haben die Kernkraftwerke erst etwa 60 Prozent der Gesamt-Strommenge produziert. 40 Prozent stehen noch bevor.

Mit dem neuen Atomgesetz werden die Kernkraftwerke voraussichtlich deutlich später abgeschaltet, als nach bisheriger Gesetzeslage. Je nachdem, wie sich die erlaubte Strommenge auf die kommenden Jahre verteilt, können die ältesten sieben Reaktoren aus den 1970er Jahren im Durchschnitt zusätzliche acht Jahre am Netz bleiben. Für die zwölf Anlagen, die in den 1980er Jahren gebaut wurden, ergeben sich im Durchschnitt zusätzliche 14 Jahre Betriebszeit. Das letzte Kernkraftwerk würde demnach erst ungefähr im Jahr 2038 abgeschaltet, statt wie bisher um das Jahr 2023 bis 2027, wie die Abbildung 16 zeigt.

s. Bild 16: Inbetriebnahmedaten und verbleibende Strommengen der Kernkraftwerke in Deutschland nach Atomgesetz (AtG) 2002/2010 und daraus resultierende mögliche Stilllegungsdaten nach Berechnungen des Öko-Instituts

Die Abbildungen 17 und 18 zeigen die voraussichtliche Stromerzeugung aus Kernkraftwerken ohne und mit Laufzeitverlängerung. Die Verteilung der festgelegten Strommengen auf die kommenden Jahre – und damit auch das Datum der Abschaltung – hängt auch davon ab, wie sich die erneuerbaren Energien entwickeln: Je häufiger Strom aus erneuerbaren Energien große Teile des Verbrauchs deckt, desto weniger werden die anderen Kraftwerke ausgelastet. Weniger Volllaststunden für die Kernkraftwerke pro Jahr führen dazu, dass sich ihre erlaubte Strommenge auf mehr Jahre verteilt und sie erst später abgeschaltet werden. In den hier gezeigten Berechnungen ist nur ein leichter Rückgang der Volllaststunden berücksichtigt (bis 2030 auf 90 Prozent des Wertes aus dem Jahr 2010). Mit niedrigerer Auslastung könnten sich die Stilllegungen der letzten Kernkraftwerke noch deutlich nach 2040 verschieben.

Die Lebensdauer der Kernkraftwerke würde mit den hier angenommenen Abschalt-Daten für die einzelnen Anlagen zwischen 40 und 50 Jahren liegen und mit niedriger Auslastung noch höher. Demgegenüber sah der bisherige Ausstiegsfahrplan Lebensdauern von durchschnittlich etwa 34 Jahren vor.

s. Bild 17: Nettostromerzeugung in deutschen KKW nach dem Auslaufmodell des AtG 2002 (ohne Laufzeitverlängerung)

s. Bild 18: Nettostromerzeugung in deutschen KKW nach dem Auslaufmodell des AtG 2010 (mit beschlossener Laufzeitverlängerung)

Die geplanten Laufzeitverlängerungen lassen für die Nuklearstromerzeugung in Deutschland drei Etappen erkennen, bis das letzte Kernkraftwerk vom Netz ge

  • bis zum Jahr 2020 würde sich eine Stromerzeugung auf dem Niveau von ungefähr 150 bis 160 TWh jährlich einstellen;
  • nach einem scharfen Abfall der Nuklearstromerzeugung würde sich für den Zeitraum 2021 bis 2031 ein Erzeugungsniveau von etwa 90 bis 100 TWh einstellen;
  • ab 2032 würde die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken relativ steil abfallen und etwa 2038 auslaufen.

Bei deutlich zurückgehender Auslastung der Kernkraftwerke könnten sich diese Phasen leicht nach hinten verschieben.

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